Sind Sie fit für den neuen CO₂-Preis?

22. August 2025

Ab 2027 greifen in der EU neue CO₂-Zertifikate für Gebäude und Verkehr. Das bedeutet fossiles Heizen und Tanken wird dadurch deutlich teurer werden. In den vorherigen Artikeln zu diesem Thema haben wir dies schon umfassend erläutert und herausgestellt, dass eine alternative Heizsysteme, die auf erneuerbaren Energien beruhen unerlässlich sind. Dennoch kann man auch im kleinen schon anfangen sich vorzubereiten. Jetzt soll es um die Ermittlung der eigenen Emissionen gehen und konkrete Sparmaßnahmen angesprochen werden - so machen Sie sich fit für den CO₂-Preis im Alltag.
Haushalte mit Gas- oder Ölheizung müssen künftig mit mehreren hundert Euro Mehrkosten pro Jahr rechnen, Benzin und Diesel könnten 20–30 Cent pro Liter teurer werden. Doch diese Mehrkosten lassen sich durch gezielte Maßnahmen deutlich senken – je früher man auf klimafreundliche Alternativen umsteigt, desto größer das Einsparpotenzial. In diesem Ratgeber zeigen wir handfeste, alltagstaugliche Tipps, wie Privathaushalte und Hausverwaltungen jetzt schon gegensteuern können, um bezahlbar zu heizen und mobil zu bleiben.

Eigene Emissionen und Kosten kennen

Der erste Schritt ist ein Kassensturz beim eigenen CO₂-Verbrauch. Verschaffen Sie sich einen Überblick, wo in Ihrem Haushalt oder Gebäude wie viel CO₂ entsteht. Relevant sind hier vor allem Heizenergie (Öl, Gas, Kohle) und Kraftstoffe (Benzin, Diesel) – auf diese Bereiche fällt der CO₂-Preis an. Nutzen Sie Online-CO₂-Rechner (z. B. vom Umweltbundesamt oder co2online), um Ihre Emissionen abzuschätzen. So erkennen Sie, ob Ihr Verbrauch im grünen Bereich liegt oder Einsparpotenzial besteht. Oft hilft auch ein Blick auf den Heizenergieverbrauch pro Quadratmeter im Vergleich zum Durchschnitt.

Für den schnellen Einstieg empfiehlt sich eine einfache Verbrauchsanalyse: Sammeln Sie die letzten Heiz- und Tankrechnungen, notieren Sie die Mengen und vergleichen Sie diese mit Durchschnittswerten ähnlicher Haushalte. Wer es genauer möchte, kann smarte Zwischenzähler oder digitale Verbrauchslogger einsetzen, um einzelne Strom- oder Heizkreise zu überwachen. Hausverwaltungen profitieren hier besonders von einer zentralen Erfassung, um energetisch schwache Gebäudeabschnitte frühzeitig zu identifizieren. Kleinere Betriebe sollten eine ähnliche Bestandsaufnahme machen.

Hausverwaltungen und Eigentümer sollten zudem beachten, dass seit 2023 die CO₂-Kosten beim Heizen zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt werden. Je schlechter die Energiebilanz des Gebäudes, desto mehr muss der Vermieter zahlen (bis zu 95 % der CO₂-Abgabe bei sehr ineffizienten Gebäuden). Diese gesetzliche Regelung (CO₂-Kostenaufteilungsgesetz) ist ein starker Anreiz, den Gebäudestandard zu verbessern.

Doch aufgepasst:
Bei dezentraler Heizung gehen Sie als Mieter in Vorleistung und können sich anschließend die Kosten vom Vermieter erstatten lassen!

Heizenergieverbrauch im Alltag senken

Rund 90 % der Haushalte in Deutschland zahlen derzeit mehr Heizkosten als nötig, weil Heizenergie verschwendet wird. Gerade Mieter haben oft keinen oder nur wenig Einfluss auf die Heiztechnik, aber durch richtiges Verhalten lassen sich spürbare Einsparungen erzielen. Als Faustregel gilt, dass jedes Grad Raumtemperatur weniger den Heizenergieverbrauch um etwa 6 % senkt. Wobei diese Faustregel natürlich stark vom jeweiligen Gebäude und dessen Dämmung abhängt.

Überheizen Sie Wohnräume also nicht unnötig. 18 °C im Wohnzimmer reichen meist aus, im Schlafzimmer sind 16 °C oft genügend für gesunden Schlaf. Programmierbare Thermostatventile oder smarte Heizungsregler helfen dabei, die Temperatur automatisch zu steuern. Solche Thermostate lassen sich auch in Mietwohnungen leicht nachrüsten und machen das Sparen bequem. Oft kommen einem Vermieter bei der Nachrüstung auch entgegen.

Heizkörper sollten außerdem nicht verdeckt werden um Stauwärme hinter Möbeln zu verhindern. Entlüften Sie gluckernde Heizkörper, damit sie effizienter heizen können. Und prüfen Sie, ob die Heizungsanlage richtig eingestellt ist, denn oft laufen Pumpen oder Brenner auf Werkseinstellung suboptimal. Hier kann die Hausverwaltung bzw. der Eigentümer einen Hydraulischen Abgleich und eine Optimierung der Heizungsregelung veranlassen, um Verbräuche zu senken. Mit bewusstem Heizverhalten und kleinen Handgriffen lassen sich zweistellige Prozentsätze an Energie und Kosten sparen, ohne dass es zu Hause ungemütlich wird.

Weitere Einsparmöglichkeiten ergeben sich außerdem mit folgenden Punkten:
  • Heizungsrohre in unbeheizten Räumen dämmen
  • Dichtungen an Fenstern und Türen prüfen und bei Bedarf erneuern
  • Heizungsanlage vom Fachbetrieb optimal einstellen lassen
  • Vorhänge oder Rollläden nachts schließen, um Wärmeverluste zu verringern

Erneuerbare Energie: Solarstrom & Co. clever einsetzen

Neben der Heizungsmodernisierung gehört die Nutzung erneuerbarer Energien zum wichtigsten Rüstzeug gegen hohe CO₂-Kosten. Photovoltaik-Anlagen (PV) auf dem Dach ermöglichen es, Strom deutlich günstiger selbst zu erzeugen. Damit machen Sie sich unabhängiger von steigenden Energiepreisen und senken indirekt auch die Emissionen Ihres Haushalts. Besitzer eines Eigenheims können mit einer PV-Anlage z.B. den Strombedarf einer Wärmepumpe decken oder eine Warmwasser-Wärmepumpe betreiben, sodass Heizen und Warmwasser fast CO₂-frei laufen. Überschüssiger Solarstrom lässt sich in Batteriespeichern oder als Wärme (in einem Pufferspeicher) speichern.

Hausverwaltungen können für Mehrfamilienhäuser sogenannte Mieterstrom-Modelle prüfen: Dabei wird Solarstrom vom Dach direkt an die Mieter im Haus geliefert. Die Bewohner profitieren von Strompreisen, die meist unter dem örtlichen Grundversorgungstarif liegen, da sie gedeckelt sind. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel zum Mieterstrom.

Auch Solarthermie ist eine Option: Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach unterstützen die Heizungsanlage oder bereiten Warmwasser auf. So kann in den Sommermonaten oft der Heizkessel komplett ausgeschaltet werden. Beide Solar-Technologien – PV und Solarthermie – lassen sich förderfähig nachrüsten und sind ein wichtiger Baustein, um Gebäudebetrieb klimafreundlicher zu gestalten.

Wer keine eigene Dachfläche hat (z.B. Mieter), kann natürlich auf Ökostrom-Tarife umsteigen. Dadurch fließt mehr grüner Strom ins Netz, was langfristig die CO₂-Bilanz verbessert, auch wenn es die eigenen Kosten nicht direkt senkt. Auch Fernwärme-Bezieher sollten prüfen, wie ihr Versorger das Wärmeangebot dekarbonisiert.  Wenn die Fernwärme noch aus Gas- oder Kohleanlagen stammt, wird diese ab 2027 deutlich teurer und man sollte sich frühzeitig um einen Tarifwechsel kümmern um dann nicht in einem teuren Vertrag festzustecken.

Mobilität: Sprit sparen und emissionsfrei fahren

Auch im Verkehr können Privathaushalte und Betriebe Kostenfallen durch den CO₂-Preis vermeiden. Benzin und Diesel werden ab 2027 kontinuierlich teurer – höchste Zeit, den Treibstoffverbrauch zu senken. Überlegen Sie, wo Sie im Alltag Autofahrten einsparen können: Vielleicht lassen sich Arbeitswege gelegentlich per ÖPNV oder Fahrrad zurücklegen, oder Fahrgemeinschaften sind eine Option. Wer weiterhin Verbrenner fährt, sollte auf Spritspar-Techniken achten (vorausschauendes Fahren, richtiger Reifendruck, moderate Geschwindigkeit auf der Autobahn). Schon dadurch sinkt der Verbrauch merklich.

Die nachhaltigste Lösung ist jedoch der Umstieg auf ein Elektroauto oder andere emissionsfreie Verkehrsmittel. Ein E-Auto verursacht lokal keine CO₂-Emissionen – entsprechend fällt keine CO₂-Bepreisung für den Strom an, den Sie „tanken“. Im Gegenteil: Besitzer von Elektroautos erhalten in Deutschland bis auf Weiteres sogar eine jährliche Prämie für eingesparte Emissionen (die THG-Quote, Treibhausgasminderungsquote). 2025 bringt diese rund 50–90 € pro Jahr ein – ein kleiner Bonus fürs klimafreundliche Fahren. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage am Haus ergeben sich zusätzliche Vorteile: Sie können Ihr E-Auto über eine Wallbox mit eigenem Solarstrom aufladen und so praktisch zum Nulltarif fahren. Das reduziert nicht nur die Mobilitätskosten, sondern entlastet auch das Stromnetz. Für Mieter ohne eigene Lademöglichkeit bieten sich öffentliche Ladesäulen oder Arbeitgeber-Ladeplätze an – auch hier ist der Strom oft günstiger als Diesel oder Benzin pro 100 km gerechnet.

Schauen Sie sich Ihre Mobilitätsgewohnheiten genau an: Vielleicht lässt sich durch Homeoffice an manchen Tagen das Pendeln vermeiden. Für Urlaubsreisen prüfen Sie Alternativen zum Auto oder Flugzeug – Bahnfahren verursacht ein Mehrfaches weniger an CO₂ und unterliegt nicht dem individuellen CO₂-Preis. Kurzstreckenflüge innerhalb Europas werden durch zusätzliche Abgaben ebenfalls teurer. Eine Reise mit dem Zug oder Fernbus schont nicht nur das Klima, sondern oft auch den Geldbeutel.

Insgesamt gilt:
Mobilität der Zukunft bedeutet effizientere Fahrzeuge, alternative Antriebe (Elektro, Wasserstoff oder Biokraftstoffe) und vor allem eine kluge Wahl des Verkehrsmittels. Wer das heute schon berücksichtigt, bleibt auch morgen mobil, ohne von hohen CO₂-Kosten ausgebremst zu werden.

Langfristig planen: Wärmepumpe und Gebäudemodernisierung

Wer beim CO₂-Preis dauerhaft sparen will, kommt, wie in den vorangegangenen Artikeln angesprochen, langfristig nicht an einer Modernisierung der Heiztechnik vorbei. Besonders die Neuinstallation oder Nachrüstung einer Wärmepumpe spielt dabei eine Schlüsselrolle, da sie klimafreundlich arbeiten können und selbst keine CO₂-Kosten verursachen, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Hausverwaltungen und Eigentümer sollten also frühzeitig den Umstieg einplanen und Förderprogramme nutzen. Aktuell sind Zuschüsse von bis zu 70 % der Investitionskosten möglich, aber reduzieren sich je länger Sie warten. Eine gute Gebäudedämmung steigert die Effizienz Ihrer Heizungsanlage natürlich zusätzlich.

Vorsorgen zahlt sich aus

Die Einführung des CO₂-Preises im Gebäude- und Verkehrssektor ist ein deutlicher Weckruf: Fossile Energien werden auf Dauer teuer und unattraktiv. Doch zum Glück gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten und sogar zu profitieren. Beginnen Sie damit, Ihre größten Emissionsquellen zu identifizieren – meist sind das Wärme und Mobilität. Reduzieren Sie den Verbrauch im Alltag durch bewusstes Verhalten und einfache Technik-Upgrades. Investieren Sie in Effizienz und erneuerbare Alternativen, sobald es Ihnen möglich ist: Eine gedämmte Gebäudehülle, eine Wärmepumpenheizung oder eigene Solarenergie zahlen sich langfristig aus, spätestens wenn die CO₂-Preise weiter steigen. Nutzen Sie staatliche Förderprogramme und holen Sie sich bei Bedarf fachkundige Beratung, um die richtigen Schritte zu planen. Das gilt für Privathaushalte ebenso wie für Hausverwaltungen – und sogar kleine Betriebe können mit Energiesparmaßnahmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Jeder Beitrag zählt, denn der CO₂-Preis belohnt klimafreundliches Handeln und Technologien.

Werden Sie also jetzt aktiv: CO₂ sparen bedeutet Kosten sparen – und Sie leisten ganz nebenbei einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Wir von Gall Technology unterstützen Sie gerne dabei, die passenden Lösungen zu finden, damit Sie auch in Zukunft komfortabel wohnen und mobil bleiben können – trotz steigender CO₂-Preise.



Quellen:
  1. Umweltbundesamt: Der Europäische Emissionshandel
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/der-europaeische-emissionshandel
  2. Umweltbundesamt: Einführung eines Emissionshandelssystems für Gebäude, Straßenverkehr und zusätzliche Sektoren in der EU
    https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/einfuehrung-eines-emissionshandelssystems-fuer
  3. Bundesregierung: Entlastung bei CO₂-Kosten in der Miete - CO₂-Kostenaufteilungsgesetz
    https://bundesregierung.de/breg-de/service/gesetzesvorhaben/aufteilung-co2-kosten-2043728
  4. co2online: Heizspiegel für Deutschland 2024
    https://www.heizspiegel.de/news/beitrag/beitrag/heizspiegel-2024-heizkosten-gesunken-26210/
  5. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) - Förderprogramm im Überblick
    https://www.bafa.de/DE/Energie/Effiziente_Gebaeude/Foerderprogramm_im_Ueberblick/foerderprogramm_im_ueberblick_node.html
  6. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): Liste der förderfähigen Wärmepumpen mit Prüf-/Effizienznachweis
    https://www.bafa.de/SharedDocs/Downloads/DE/Energie/beg_waermepumpen_pruef_effizienznachweis.html
  7. Umweltbundesamt: Vollzug 38. BImSchV - Anrechnung von Strom für Elektrofahrzeuge (THG-Quote)
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/kraftstoffe-antriebe/vollzug-38-bimschv-anrechnung-von-strom-fuer
  8. Umweltbundesamt: Hinweise für die Einreichung von Anträgen zur THG-Quote
    https://www.umweltbundesamt.de/dokument/hinweise-fuer-die-einreichung-von-antraegen-zur-thg
  9. How Much is 1° Worth?
    https://www.energyhub.com/news/how-much-is-one-degree-worth
  10. Playing my part - Key energy saving actions
    https://energy.ec.europa.eu/topics/markets-and-consumers/actions-and-measures-energy-prices/playing-my-part_en